Die Valentinuskapelle wurde ca. 1660 an der Stelle errichtet, an der bereits vorher eine Kapelle stand. Sie heißt auch Pestkapelle und wurde dem Heiligen Valentin, Sebastian und Rochus geweiht. Diese 3 werden als Helfer bei Krankheiten angerufen.
1666 gelobten die Lohrer alljährlich am 16. August zu Ehren des Hl. Rochus in einer Prozession auf den Berg zu ziehen, wenn die Stadt vor der drohenden Pest bewahrt werden würde.
Im Jahr 1632 verloren die Lohrer innerhalb kürzester Zeit viele Menschen an dieser schlimmen Krankheit und ja das galt es natürlich zu verhindern. Und tatsächlich blieb Lohr damals von der Pest verschont.

Valentinus- oder Pestkapelle in Lohr am Main

Bis heute ist der 16. August (Rochustag) ein örtlicher Feiertag. Alteingesessene Geschäfte, aber auch die Stadt haben zumindest am Vormittag geschlossen.
Nur an diesem Tag ist die Kapelle zum vormittäglichen Gottesdienst und nachmittags nochmal zu einer Andacht geöffnet.

Valentinus- oder Pestkapelle Kreuz bei der alten Linde

Im Jahr 1813 trugen die Lohrer ein Holzkreuz auf den Berg und stellten auch dieses wegen der drohenden Pestgefahr (so die Inschrift des Kreuzes) auf.
Allerdings war damit nicht mehr die Pest gemeint, sondern Fleckfieber, Ruhr und andere schlimme Krankheiten, welche die Soldaten Napoleons aus Russland eingeschleppt haben.
Leider handelt es sich nicht mehr um das Originalkreuz. Vandalismus ist der Grund warum dieses uralte Kreuz nicht mehr dort steht. 2011 fielen Vandalen über diese kleine Kapelle her, warfen Fensterscheiben ein und zerstörten so einiges mehr.
Das große Glück für die Lohrer war aber, das im Inneren der Kapelle nichts weiter beschädigt wurde. Es tat mir so sehr leid, als ich von diesen Vandalen lesen musste … wütend, empört und tieftraurig warum so etwas geschehen muss.
Die Lohrer haben eine Gedenktafel aufgestellt, hier haben sie die Originalinschrift nochmals wiederholt. Und da die Qualität meines Fotos nicht sehr gut ist schreibe ich den Text nochmals drunter.

Hinweisschild zum Kreuz in der alten Linde

Das Kreuz in der alten Linde

„Es waren unruhige ja kriegerische Zeiten um 1813, die Befreiungskriege, die Völkerschlacht von Leipzig. Marodierende Truppen durchzogen die Lande. Not, Krankheit und Seuchen breiteten sich aus. Die Lohrer Bürger fürchteten die aufziehenden Gefahren. Sie zimmerten ein Holzkreuz und schnitten in das Langholz etwas ungelenk den Text:

„Anno 1813 ist dieses Kreuz auf den Berg geschleift worden wegen Pest, Krankheit und ….“

Da hört der Text auf. Sie stellten das Kreuz an die damals schon alte und starke Linde. Nun ist sie morsch und hohl zusammengebrochen. Das Kreuz aber soll weiterleben zum Gedenken an schwere Zeiten unserer Vorfahren. Deshalb haben wir auch wieder eine Linde gepflanzt.

Dieser Ort hat eine ganz besondere „Aura“.
Ich war tief bewegt und berührt von dieser kleinen Kapelle und der ganzen Geschichte dort vor Ort. Und ja da habe ich tatsächlich vergessen den kleinen Glockenturm zu fotografieren. Ganz in Gedanken versunken bin ich da langgegangen.
Hier findet Ihr einen kleinen Einblick in die Kapelle mit den Heiligen und auch ein Bild mit Glockenturm.

Der Main in der Stadt Lohr am Main unter einer Brücke fotografiert

Mit einem Blick auf den Main an dem wir dann noch ein wenig spazierengingen verabschiede ich mich heute für Euch und sende liebe Grüße

Kirsi

Verlinkt bei Arti's Schilderwald, My Corner of the World, DND und dem Friday Bliss. Und auch beim Glockenturm von Nova, wenn auch ohne fotografierten Turm ;-)

33 thoughts on “Valentinus- oder Pestkapelle”

  1. Hallo Kirsi,
    so eine Dankbarkeit geht wirklich ans Herz. Da freut man sich auch heute noch mit den Einwohnern, dass sie von der Pest verschont wurden und sich später an ihr Versprechen gehalten haben. Dagegen finde ich den Vandalismus, den man heute überall sieht, erschreckend. Nichts ist den Leuten mehr heilig alles wird respektlos zerstört.

    Trotzdem habe ich mich sehr über deinen informativen Beitrag gefreut und bedanke mich recht herzlich dafür.

    Liebe Grüße
    Arti

  2. Liebe Kirsi,
    ja, die Völkerschlacht bei Leipzig, das war wirklich schlimm. Nun die Pest und die Kriege haben soviele Menschen
    sterben lassen.
    Man sieht es immer wieder, solche Kapellen, die aus Dankbarkeit errichtet wurden und man merkt erst,
    wievle schöne Ecken man um die Ecke hat.
    Ich genieße das sehr.
    Mich wundert es immer wieder, dass Leute ins Ausland fahren und gar nicht mal die Geschichte ihres Heimatlandes kenne.
    Gestern wieder und bin entsetzt gewesen.

    Ganz liebe Grüee Eva

    1. Ja da hast du recht, es gibt wirklich viel zu entdecken und in der Natur ist sowieso immer irgendwie etwas verändert von einem Tag auf den anderen. Es gilt halt immer die Aufgen aufzuhalten.

  3. Solche „Standorte“ sind immer sehr interessant!
    Ganz klasse finde ich den Bilderreigen, den du unter „HIER“ anbietest – Danke!!!!!!!!
    Schönen Gruß,
    Luis

  4. Liebe Kirsi,
    ein bildlich und inhaltlich schöner Beitrag, den Du uns zeigst und es ist sehr schade, dass es immer wieder Menschen gibt, die solche Gebäude aus Unwissenheit und Gedankenlosigkeit zerstören.
    Wieviel Arbeitskraft und auch Geld, derartige Kapellen damals gekostet haben, interessiert den Zerstörr nicht und die Geschichte dahinter erst recht nicht.
    Idealisten sind dann wieder gefragt, um das Andenken zu bewahren.

    Liebe Grüße und hab* eine feine Zeit
    Elisabetta

    1. Ja es sind wirklich Idealisten die diesen kleinen Ort heute noch pflegen. Ich würde mir nur wünschen das man viel mehr dieser gedankenlosen Menschen finden könnte, es ist wirklich übel wievieles zerstört wird nur weil sie Langeweile oder was weiß ich haben

  5. Liebe Kirsi,
    solche Tafeln vertiefen unser Wissen und lassen uns die Geschichte besser „fühlen“.
    Die Kapelle ist wirklich außergewöhnlich. Ich finde es immer bemerkenswert, wie früher Dankbarkeit, Glaube, Hoffnung in Stein gemeißelt wurde. Nur deshalb können wir auch heute noch so viel darüber erfahren.
    Liebe Grüße
    moni

    1. So ging es mir auch liebe Moni, und genau dieses Gefühl hatte ich an diesem Ort ganz besonders – kann ich gar nicht genau beschreiben, aber ich konnte fast „eintauchen“. Ob das an dieser Bescheidenheit und Abgeschiedenheit gelegen hat – keine Ahnung, aber es war ein schönes Gefühl

  6. Ein wunderschöne Kapelle die gepflegt wird um zu erhalten, finde ich immer gut. Schön dieser Ort und am Main! Tolle Fotos sind das.
    Lieben Gruss Elke

  7. Wirklich eine ganz besondere Aura, da kann ich dir voll und ganz zustimmen. Ich mag solche „Geschichten“ und finde es dann auch besonders schön wenn es direkt vor Ort auch die Information darüber gibt. Zudem auch wie oft doch solche Kapellen entstanden sind, hier ja auch wo es dann alljährlich die Gedenkprozessionen gibt. Einfach nur schön, vor allem wenn man dann auch noch seine Fantasie spielen lassen kann. Danke dir auch für diesen tollen Post, und doch auch shiet-egal ob ein Turm mit drauf ist. Ich würde mich freuen wenn du diesen Post dennoch beim Glockenturm mit verlinken würdest.

    Dir noch einen schönen Tag und liebe Grüsse

    N☼va

  8. Liebe Kirsi,
    tief beeindruckt und arg berührt hat mich dein Eintrag. Es ist
    traurig immer und immer wieder feststellen zu müssen zu welchen
    Greueltaten die Menschen fähig sind und eine Gedenkstätte zerstören
    und auch noch einer Bestrafung entgehen da sie meist unerkant bleiben.
    Dieser besinnliche Eintrag ist in meinem Herzen gelandet, hab Dank
    dafür.
    Liebe Grüße zu dir, Karin Lissi

    1. Ja ich war auch traurig und auch wütend und doch hat dieser Ort die ganz besondere Aura nicht verloren und zum Glück wurde innerhalb der Kapelle kein Schaden angerichtet. Es freut mich das ich ein wenig von dieser schönen Stimmung dort weitergeben konnte

  9. Ein sehr informativer Beitrag mit Bildern, die den Text sehr gut untermalen.
    Das Brückenfoto mit der Spiegelung im Wasser ist grandios.

    Danke für diesen schönen Beitrag zum „Natur-Donnerstag.

  10. Ein eindrücklicher Ort aus einer schlimmen Zeit. Mir geht gerade durch den Kopf was einmal aus der Aktuellen Situation unsere Nachkommen erzählen und lesen werden.
    L G Pia

  11. Hallo liebe Kirsi,
    den Blick auf den Main habe ich auf FB bewundert. Deine geschichtlichen Ausführungen sind sehr interessant. Ich staune immer wieder, wie weit die Menschen der Kriege wegen schon früher durch Europa gezogen sind, als alles noch viel beschwerlicher war als heute. Bei uns in Ff-Höchst gibt es am Schwanheimer Fähranleger zum BEspiel die Tilly-Linde (auch kein Original mehr). Johann t’Serclaes Graf von Tilly (1559–1632) war Heerführer der Katholischen Liga und einer der namhaftesten Feldherrn des Dreißigjährigen Kriegs. In der Schlacht bei Höchst besiegte er 1622 das protestantische Heer von Herzog Christian von Braunschweig. Unter der fünfhundert bis tausend Jahre alten Linde soll er geruht haben.
    Herzliche Grüße – Elke

  12. Danke für diese interessante Geschichte. Es ist wirklich nicht zu verstehen, dass die Kapelle und das Kreuz durch Vandalen so stark beschädigt wurden. Umso besser finde ich es,d diese Tafel angebracht wurde und somit der Wunsch und das Sehnen der damals Lebenden erhalten geblieben ist. Viele Grüße

  13. Hi Kirsi,

    Your big photo over the river Main is so, so beautiful <3 Yes, the humanity has suffered pests and other ilnesses in previous centuries, too. In the center of Helsinki some remains of a pest graveyard can still be seen and the park around is called Pest Park. Thank you for sharing, greetings from Finland.
    PS
    I have never asked, but are your parents or grandparents Finnish?

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